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Bürgerliche Islamkritik

Zivilgesellschaftliche Akteure im Diskursfeld Islam

  • Jahr: 2010 – laufend
  • Dissertation, Universität Leipzig, Institut für Kulturwissenschaften
  • Betreuer: Prof. Dr. Monika Wohlrab-Sahr, Prof. Dr. Gert Pickel

Bei den Debatten über den Islam geht es zunehmend nicht mehr nur darum, was der Islam ist oder nicht und was Muslime hier in Deutschland dürfen oder nicht. Es geht vermehrt auch darum, wie über Islam und Muslime gesprochen werden soll bzw. darf. Prinzipien der Religionsfreiheit und der Meinungs- bzw. Pressefreiheit kollidieren scheinbar miteinander. In der Folge des 11. Septembers 2001 und vor allem des Mordes am niederländischen Filmemacher Theo van Gogh 2004 sowie der Mohammed-Karikaturen-Krise 2005/2006 ist auch in der deutschen Bevölkerung eine breite Kritik am Islam entstanden, die eine zunehmend prominente Position in der öffentlichen Diskussion einnimmt. Doch bisherige Forschungen zu dieser, hier als Bürgerliche Islamkritik bezeichneten Bewegung fokussieren auf Phänomene des rechten Randes und schauen nur aus dem Blickwinkel der Rassismusforschung.

Die geplante diskursanalytische Untersuchung folgt deshalb einem dreifachen Erkenntnisinteresse:

  1. Welche Funktion schreibt sich die Bürgerliche Islamkritik selbst im Diskursfeld Islam zu?
  2. Welche ideologischen Haltungen und Weltbilder finden sich in der Bürgerlichen Islamkritik?
  3. Welches (partei-)politische Mobilisierungspotenzial weist die Bürgerliche Islamkritik auf?

Die Klärung der o.g. Fragen scheint einer mindestens zweifachen Dringlichkeit zu unterliegen. Zum einen zeigen sich im europäischen Ausland bereits die Folgen expliziter Islamdiskurse in Form von (rechts-)populistischen Parteien, die mit den Themen Islam und Integration von Muslimen massiv Wählerpotenzial mobilisieren konnten. Zum anderen verändert sich durch das Internet unsere Informationsaufnahme derart, dass dort agierende Akteure ihre ideologischen Haltungen sehr einfach verbreiten können, ohne dass dies für den Rezipienten offensichtlich sein muss.

Nach einer breit angelegten Analyse des Diskursfeldes Islam und der darin aktiven Akteure soll deshalb die Bürgerliche Islamkritik im Verhältnis zu den anderen beteiligten Akteursgruppen/Diskursen wissenssoziologisch untersucht werden. Dafür erfolgt eine inhaltliche und strukturelle Analyse der einzelnen Argumentationen und Aussagepraktiken sowie der generellen Fähigkeit, eigene Positionen durchsetzen und somit Anhänger mobilisieren zu können.